Um die Frage nach der für unsere Kurse geeigneten Pistole bzw. nach einer verlässlichen Waffe zur Selbstverteidigung zu beantworten, müssen wir zunächst Art und Ziel unseres Schießtrainings näher betrachten. Die modulare Ausbildung bei ESA Austria ist dem Verteidigungsschießen zuzuordnen. Im Gegensatz zum Sportschießen liegt der Fokus dabei nicht auf sportlicher Leistung bzw. auf Wettbewerb unter Einhaltung eines festgelegten Regelwerks. Stattdessen steht die Entwicklung sicherer, effizienter und routinierter, also auch unter Stress abrufbarer Handlungsabläufe im Mittelpunkt. Trainiert werden unter anderem Ziehen aus dem Holster, Magazinwechsel, Störungsbehebung, Zielwechsel sowie das Schießen in Bewegung, aus verschiedenen Positionen und bei eingeschränkten Lichtverhältnissen. Auch Szenarientrainings, taktisches Verhalten und mentale Aspekte wie Stressmanagement und Zeitdruck spielen eine wichtige Rolle.

Die Anforderungen des Verteidigungsschießens unterscheiden sich in wesentlichen Punkten vom klassischen Sportschießen und beeinflussen die Wahl der passenden Waffe und Ausrüstung maßgeblich. Hier sind robuste, auch unter widrigen Bedingungen zuverlässig funktionierende, Lösungen gefordert. Waffen, die für den behördlichen Gebrauch konzipiert wurden, bieten dabei gute Orientierungshilfen.

Wichtig sind vor allem:

  • Hohe Funktionssicherheit
  • Einfache Bedienbarkeit
  • Robuste Bauweise
  • Zuverlässige Visierung
  • Geeignetes Kaliber und ausreichende Magazinkapazität

Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit der Pistole, Informationen zum Karabiner finden Sie hier.

 

 

Mit welcher Waffe darf ich an einem ESA Kurs teilnehmen?

 

Für Waffen, die zu unseren Kursen mitgebracht werden, haben wir verpflichtende Vorgaben sowie einige Empfehlungen. Im folgenden Abschnitt erläutern wir diese dann noch genauer.

Vorgabe:

  • Legaler Besitz (zu Kursbeginn ist die WBK vorzuzeigen).
  • Halbautomatische Pistole (kein Revolver)
  • Abzugsgewicht min. 2kg
  • Mindestens 2 Magazine
  • Die SIG Sauer P320 können wir aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht mehr zulassen.


Empfehlung:

  • passende Waffengröße
  • keine externe Sicherung
  • Kaliber 9mm
  • robuste Arbeitswaffe
  • Magazinkapazität min. 15 Schuss

 

Wichtige Kriterien für eine Waffe zur Selbstverteidigung 

 

Abzugsgewicht

Gerade bei Anfängern bzw. zu Beginn der Ausbildung im Verteidigungsschießen ist es wichtig, keine Sport-Abzüge mit niedrigem Abzugsgewicht zu verwenden. Sie können zu ungewollten Schussabgaben und damit zu Schießunfällen führen. Wir trainieren in Gruppen, bewegen uns dynamisch, arbeiten viel mit dem Holster, nehmen in weiterer Folge Stress und Zeitdruck in die Übungen auf. Hierbei stellt ein niedriges Abzugsgewicht eine unnötige Gefahrenquelle dar. Zulässig sind daher nur Waffen, die mindestens 2 Kilo Abzugsgewicht besitzen.

2kg+ Abzüge geben dem Schützen ein ganz klares Feedback wo der Druckpunkt mit 2,5kg+ Kraftaufwand überwunden werden muss, damit der Schuss brechen kann. Ist das Abzugsgewicht hingegen zu niedrig, kommt es oft vor, dass der Schütze im Stress das Abzugsgewicht unabsichtlich überwindet und der Schuss bricht, obwohl sich die Waffe noch nicht im Ziel befunden hat.

Ein niederes Abzugsgewicht ist bei Sportwaffen wünschenswert. Aber die Eigenschaften, die eine Waffe für den sportlichen Wettkampf qualifizieren, sind nicht dieselben, die in unseren Kursen bzw. in Einsatz-Bedingungen von Bedeutung sind.

 

Externe Sicherung

Wenn die Waffe eine externe Sicherung hat, muss diese in unseren Kursen jedes Mal beim Ziehen aus dem Holster und beim Holstern betätigt werden. Ziehen und Holstern ist eine Waffenmanipulation, die im Unterricht des Verteidigungsschießens sehr häufig vorkommt. Die externe Sicherung erfordert einen zusätzlichen Handgriff, kostet Zeit und stellt eine potentielle Fehlerquelle dar. Schusswaffen ohne externe Sicherung sind im Verteidigungsschießen daher deutlich stressresistenter zu handhaben.

 

Kaliber und Magazinkapazität 

Wir empfehlen ganz klar, Waffen im Kaliber 9 Millimeter zu verwenden. 9mm Munition ist zu einem guten Preis verfügbar. Zudem ist der Rückstoß nicht sonderlich hoch – bei einer Kaliber 45 kann der Rückstoß hingegen für einen ungeübten Schützen sehr unangenehm sein. Eine Waffe im Kaliber 22 hat zwar noch weniger Rückstoß, das Kaliber ist aber weniger leistungsstark und zudem fehleranfällig.

Oft wird das Kaliber 45 als „mannstoppend“ bezeichnet. Diesen Mythos kann man ganz klar entkräften. „Mannstoppend“ hat nichts mit dem Kaliber zu tun und auch nicht mit sonstigen Hollywood Vorstellungen. „Mannstoppend“ bedeutet, einen Schaden im Ziel zu erzeugen, der sofort dazu führt, dass das Ziel aufhört zu kämpfen bzw. eine Bedrohung darzustellen. Dieses Ergebnis wird nicht mit dem Kaliber einer Munition erzielt, sondern mit dem Treffer im Ziel. Auch ein gut platzierter Knock-out Faustschlag ist mannstoppend.

Für den Kurs benötigen Sie mindestens zwei Magazine. Die Magazinkapazität sollte 15 Schuss oder mehr betragen – gerade bei einer zur Selbstverteidigung angedachten Waffe ist das wichtig. Fassen Ihre Magazine weniger Patronen, müssen Sie öfter nachladen als die anderen Kursteilnehmer und sollten entsprechend mehr Magazine mitbringen.

 

Individuell passende Waffengröße

Ein wichtiger Faktor ist die Waffengröße – sie muss der Handfläche entsprechend passgenau sein. Hat der Schütze die Waffe in der Hand und umschließt er das Griffstück fest, so muss er, ohne den Griff zu verändern, mit dem Daumen den Magazins-Auswurf und den Verschlussfanghebel betätigen können. Natürlich muss er auch mit dem Zeigefinger den Abzug gut betätigen können, ohne dabei abzurutschen.

Viele Schützen haben das Problem, dass das Griffstück zu groß für ihre Hände ist bzw. die Hände zu klein für die gewählte Waffe sind und dadurch auch ein schlechter Waffengriff zustande kommt. Dieser wirkt sich dann negativ auf die Kontrolle der Waffe bei der Schussabgabe aus. Teilweise muss der Waffengriff sogar geöffnet werden, um mit dem Daumen genug Druck ausüben zu können, um Magazin oder Verschlussfanghebel betätigen zu können. Im schlechtesten Fall ist der Daumen der Unterstützungshand notwendig, um die Mechanismen zu betätigen. In solchen Fällen sollte unbedingt eine passendere Waffe gewählt werden. Manche Hersteller oder Modelle sind mit auswechselbaren, unterschiedlich dicken Griffschalen verfügbar. Dadurch kann man das Griffstück an die Handgröße anpassen.

 

Robuste Arbeitswaffe 

Generell empfehlen wir für das Verteidigungsschießen „Arbeitswaffen“ – robust, nicht wählerisch in Punkto Munition, gängige Waffen mit rascher Ersatzteilverfügbarkeit, gutes Preis/Leistungsverhältnis, keine Exoten, keine getunten Waffen, keine teuren Gravuren bzw. Sport- oder Sammler-Objekte. Sie sind für unsere Zwecke einfach zu schade. 
Auf unserem Schießstand in NÖ sowie in der Slowakei schießen wir outdoor, bei jedem Wetter. Das bedeutet, dass die Waffen nass und dreckig werden und dies auch aushalten sollten. Abgeworfene Magazine landen auf Wiesen oder Kieselsteinböden und werden sofort wieder in die Waffe eingeführt. Bei Pistole Basis 2, im Vehicle CQB Kurs und vielen anderen Trainings bewegen wir uns direkt am Boden. Kurz gesagt: hier sind 3.000 Euro Pistolen fehl am Platz und Arbeitswaffen angebracht.

 

Visierung

Es gibt Iron Sights (Kimme und Korn, mechanische Visierung, fest verbauter Teil der Waffe) und Red Dots (Rotpunktvisiere, auf die Waffe montierbar). Sie können unsere Kurse mit beiden Systemen belegen – beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Ein Red Dot muss jedoch zusätzlich angeschafft werden und der Verschlusskörper der Pistole muss entweder die Voraussetzungen für eine Red Dot Montage erfüllen oder entsprechend angepasst werden. Wir empfehlen daher neuen Waffenbesitzern zunächst bei Kimme und Korn zu bleiben und lieber in Ausbildung / Kurse sowie in Munition zu investieren. Kimme und Korn sind zudem technikunabhängig, wetterfest und daher (sofern es sich um eine Tritium Visierung handelt) immer einsatzfähig. Durch das selbst leuchtende Tritium sind Kimme und Korn auch bei schlechten Lichtverhältnissen gut sichtbar – was für eine Waffe zur Selbstverteidigung natürlich wichtig ist. Ein Red Dot kann man später anschaffen, es zählt nicht zur wichtigen Startausrüstung.

 

Waffenlicht

Wenn Sie ein Waffenlicht montiert haben und ein darauf abgestimmtes Holster (Kydex, Hartschalenplastik – kein Leder-, Stoff- oder IPSC Holster) haben, können Sie selbstverständlich mit diesem Setup am Kurs teilnehmen. Zum Einsatz kommt das Waffenlicht jedoch erst beim Low Light Kurs, bei Home Defense 2 und bei fortgeschrittenen mehrtägigen Kursen in der Slowakei. Wir festigen zuerst die Schießfertigkeiten bei guten Lichtverhältnissen und arbeiten dann mit den erschwerten Bedingungen der Dunkelheit.

 

Kann ich eine Leihwaffe buchen?

 

Beim Basis 0 Kurs stehen Leihwaffen zur Verfügung – Sie müssen also keine Leihwaffe bestellen. Falls Sie eine eigene, geeignete Waffe haben, nehmen Sie diese gerne mit.

Für den Basis 1 Kurs können Sie eine Leihwaffe per EMail Anfrage buchen. Unsere Leihpistolen sind Glock Modelle sowie Walther PPQ und PDP. Sie erfüllen alle Kriterien einer gut zur Selbstverteidigung bzw. für unsere Schießkurse geeigneten Waffe.